Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
 Universitätsmedizin Leipzig
Erstmalig in Sachsen werden am Universitätsklinikum Leipzig in Form eines interdisziplinären Myomzentrums (in Zusammenarbeit der Gynäkologie und Radiologie) den Patientinnen mit Myomen alle aktuellen Therapieverfahren angeboten. Hierzu zählen neben den operativen Verfahren (offene Operation / laparoskopische Operation) die minimal-invasive Myomembolisation sowie die nicht-operative MR-gesteuerte MR-HIFU-/MRgFUS-Therapie. Nach eingehenden Voruntersuchungen und umfassender Beratung der Patientin entscheiden die Experten interdisziplinär, welche Therapie im jeweiligen Fall am besten geeignet ist.

Was sind Myome?

Wie werden Myome diagnostiziert?

Welche Myome gibt es?

Welche Therapieformen gibt es?

Welche Therapie kommt für mich in Frage? Komme ich für eine HIFU-Therapie in Frage?

Was sind die Vorteile einer MR-HIFU Behandlung?

Wie läuft die MRgFUS-/MR-HIFU-Behandlung ab?

Wer kann grundsätzlich nicht mit MRgFUS/HIFU behandelt werden?

Wie und wo nehme ich Kontakt auf? Was muss ich beachten?


Was sind Myome?

Myome sind gutartige Tumore in der Gebärmutter bestehend aus glatten Muskelfasern und Bindegewebe. Warum Myome entstehen ist bis heute weitgehend unbekannt. Bei bis zu 40% der Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 30 und 50 Jahren lassen sich Myome nachweisen, aber nur in einem Drittel der Fälle führen sie zu Beschwerden. Diese sind unter anderem abhängig von der Lage und Größe des Myoms.

Beschwerden können bei einer ungünstigen Lage in der Gebärmutterwand (intramural) oder unmittelbar unter der Gebärmutterschleimhaut (submukös) sowie ab einer bestimmten Größe entstehen und äußern sich typischerweise in Form von Menstruationsstörungen, Unterleibsschmerzen, unangenehmen Druck auf der Harnblase mit häufigem Harndrang oder Verstopfungen. Auch Beschwerden beim Geschlechtsverkehr oder ungewollte Kinderlosigkeit beziehungsweise wiederholte Fehlgeburten können ein Indiz für therapierelevante Myome sein. Eine bösartige Transformation ist jedoch sehr selten.



Wie werden Myome diagnostiziert?

Myome können häufig schon bereits bei einer körperlichen Tastuntersuchung in der gynäkologischen Sprechstunde festgestellt werden. Genauere Informationen über Zahl, Lage und Größe der Myome erhält man dann durch eine Ultraschalluntersuchung.

Wenn zu diesem Zeitpunkt eine MR-HIFU-/MRgFUS-Therapie oder eine Embolisation in Frage kommen, erfolgt eine MRT-Untersuchung zur weiteren Therapieplanung.

Wenn die MRT-Untersuchung extern erfolgen sollte, legen Sie bitte folgendes Schreiben (MR-Protokoll) (PDF 234 kB) in der Radiologie-Praxis vor.



Welche Myome gibt es?

Myome, die in der Gebärmutterwand liegen, werden intramurale Myome genannt. Liegen die Myome mindestens zum Teil oder gar vollständig in der Gebärmutterhöhle, so werden sie als submuköse Myome bezeichnet. Diese Myome sollten auch bei Beschwerdefreiheit entfernt werden, wenn eine Schwangerschaft geplant ist. Durch die Myomentfernung vor einer geplanten Schwangerschaft kann das Risiko von Schwangerschaftskomplikationen wie z.B. Fehlgeburten gesenkt werden. Die dritte Gruppe von Myomen entwickelt sich von der Gebärmutter ausgehend in Richtung auf die Bauchhöhle hin. Besonders diese Myome können ab einer kritischen Größe auf die benachbarten Organe, vor allem Blase und Darm, drücken und dadurch Beschwerden verursachen.



Welche Therapieformen gibt es?

Wie bereits beschrieben bietet das Myomzentrum UKL Leipzig alle aktuellen Therapieverfahren an - 4 Säulen der Myombehandlung. Nach eingehenden Voruntersuchungen und umfassender Beratung der Patientin entscheiden die Experten interdisziplinär, welche Therapie im jeweiligen Fall am besten geeignet ist. Eine Behandlung von Gebärmuttermyomen ist üblicherweise nur sinnvoll, wenn die Myome bei der betroffenen Frau Beschwerden verursachen.In ausgewäöhlten Fällen kann es aber auch sinnvoll sein, Myome zu behandeln, welche (noch) keine Beschwerden machen. Dies ist vor allem vor geplanten Schwangerschaften und deutlich wachsenden Myomen jüngerer Frauen der Fall.

  • Medikamentöse Therapie

In geeigenten Fällen ist eine alleinige medikamentöse sinnvoll oder eine präinterventionelle medikamentöse Therapie zu erwägen.

  • Operative Therapie

Bei der operativen Behandlung von Myomen hängt das genaue Vorgehen von der Größe und der Lage der Myome an der Gebärmutter ab. Sind die Myome im Inneren der Gebärmutterhöhle lokalisiert, so werden diese üblicherweise im Rahmen einer Gebärmutterspiegelung - Hysteroskopie genannt - entfernt. Dabei wird ein dünnes Instrument durch den Gebärmutterhalskanal in die Gebärmutter eingeführt. Dieses Instrument enthält eine Optik, durch die das Innere der Gebärmutterhöhle über eine Videokamera betrachtet werden kann. Das Myomgewebe kann dann unter Sicht entfernt werden. Dieser Eingriff wird normalerweise unter einer kurzen Vollnarkose ausgeführt. Liegen die Myome in der Gebärmutterwand kann die Entfernung nur von der Außenseite der Gebärmutter erfolgen. Bis auf wenige Ausnahmen werden diese Eingriffe minimal-invasiv durchgeführt.  Dazu wird eine Bauchspiegelung, auch Schlüsselloch-Operation genannt, durchgeführt. Es sind nur wenige sehr kleine Einstiche in der Bauchdecke notwendig, um die Myome zu entfernen. Diese Operationen werden in Vollnarkose durchgeführt

In Einzelfällen kann es aufgrund der Lage oder der Größe von Myomen notwendig sein, diese durch eine Bauchschnitt-Operation zu entfernen. Dabei wird ein möglichst kleiner Bauchschnitt eingesetzt.


  • Uterusarterienembolisation (UAE) / Myomembolisation

Bei der Myomembolisation handelt es sich um ein minimalinvasives Verfahren, vergleichbar mit einer Herzkatheteruntersuchung bei der lediglich ein spezieller Katheter in örtlicher Betäubung in die Leistenschlagader eingebracht wird. Mit Hilfe der radiologischen Durchleuchtungstechnik werden dann ganz gezielt die Blutgefäße aufgesucht, welche das Blut zu den Myomen leiten.

Diese Blutgefäße können dann durch speziell dafür hergestellte Substanzen verschlossen - embolisiert - werden.

Sind alle, die Myome versorgenden Blutgefäße  verschlossen, kommt es im weiteren Verlauf zu einer Schädigung des Myomgewebes durch Sauerstoffmangel. Dieser gezielt herbeigeführte Effekt führt dazu, dass zerstörtes Myomgewebe vom Körper wieder abgebaut wird und die Myome kleiner werden. Zurück bleibt etwas Narbengewebe. Bereits eine mäßige Abnahme der Myomgröße reicht aus, um bei den meisten Patientinnen die myombedingten Beschwerden zu beseitigen.

Eine Narkose ist für diese Behandlung üblicherweise nicht erforderlich. Ob eine Myomembolisation durchgeführt werden kann, wird oft durch eine MRT-Untersuchung beurteilt.


  • Magnetresonanztomographie-gesteuerter, fokussierter Ultraschall (MRgFUS) / MR-gesteuerter hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU)

Magnetresonanztomographie-gesteuerter, fokussierter Ultraschall (MRgFUS) / MR-gesteuerter hochintensiver fokussierter Ultraschall (MR-HIFU) ist das derzeit modernste Verfahren zur Behandlung von Uterusmyomen. Über eine außerhalb des Körpers befindlichen Ultraschallquelle werden energiereiche Ultraschallwellen im Körper fokal gebündelt und führen dort zu einer gezielten Erwärmung. Durch die wiederholte, millimetergenaue lokale Gewebserhitzung von 60° bis 80° Celsius werden die Myomzellen nach und nach zerstört während das umliegende Gewebe einschließlich der äußeren Hautschichten nicht verletzt wird. Das heißt es kann vollständig auf Skalpell oder OP verzichtet werden. Die unmittelbar vor und nach sowie während der gesamten Behandlung stetig generierten MRT-Bilder ermöglichen uns eine exakte dreidimensionale Planung anhand der individuellen Anatomie sowie eine präzise Überwachung der Temperatur- und Gewebeveränderungen in Echtzeit. Dies sorgt für die bestmögliche Sicherheit unserer Patientinnen und einen komplikationsarmen Behandlungsverlauf. Innerhalb der folgenden Wochen nach der MR-HIFU Behandlung wird das zerstörte Myomgewebe vom Immunsystem abgebaut, was im zeitlichen Verlauf eine weitere Schrumpfung des Myoms zur Folge hat und letztlich zu einer Besserung der Beschwerden führt.


Welche Therapie kommt für mich in Frage? Komme ich für eine HIFU-Therapie in Frage?

Die Entscheidung darüber, welche letztendlich für eine Patientin die am besten geeignete Behandlungsart darstellt, erfolgt gemeinsam mit der Patientin, dem behandelnden Gynäkologen und dem interventionellen Radiologen. Die MR-HIFU Therapie richtet sich vor allem an betroffene Frauen, welche sich im prä- oder peri-menopausalen Stadium befinden. Auch eine noch nicht abgeschlossene Familienplanung spricht prinzipiell für eine Behandlung mittels fokussierten Ultraschalls. Sind neben dem Ausschluss einer bestehenden Schwangerschaft keine allgemeinen Kontraindikationen für die Anwendung der MRT (Herzschrittmacher, Kontrastmittelunverträglichkeit, Metallimplantate im Bauch-/Beckenbereich, Gewichtsüberschreitung der maximalen Gerätebelastung von 100kg, u.a.) vorhanden, entscheidet eine aktuelle MRT-Voruntersuchung über die Therapiefähigkeit. Neben der allgemeinen technischen Durchführbarkeit anhand der Anatomie der Patientin sind vor allem die Anzahl der Myome sowie deren Lage, Größe, Durchblutung und Gewebsbeschaffenheit für die Einschätzung entscheidend. Nach Anmeldung in unserem Zentrum erfolgt in der Regel ein erstes informatives Gespräch mit der Patientin, wo gemeinsam die individuell abhängigen Vor- und Nachteile einer MR-HIFU Behandlung unter Berücksichtigung der persönlichen Krankengeschichte besprochen werden.



Was sind die Vorteile einer MR-HIFU Behandlung?

Die Therapie von Uterusmyomen mittels MR-HIFU kommt im Gegensatz zu bestehenden alternativen Methoden gänzlich ohne Narkose und Hautschnitt aus, wodurch eine spätere Narbenbildung ausbleibt. Die Verwendung der MRT zur Planung und Überwachung des Therapieverlaufs ermöglicht zusätzlich den Verzicht von ionisierender Strahlung, welche bei vielen Bild-gestützen Verfahren Anwendung findet. Die Behandlung erfolgt ambulant, wodurch für die Patientin eine schnelle Rückkehr in den normalen Alltag möglich ist, in der Regel am nächsten Tag.



Wie läuft die MRgFUS-/MR-HIFU-Behandlung ab?

Sie erscheinen am Durchführungstag in der Interventionellen Radiolgie, wo vorbereitend ein intravenöser Zugang (mit einer Blutentnahme vergleichbar) und ein Harnblasenkatheter gelegt werden. Danach erfolgt die möglichst bequeme und optimale Positionierung in Bauchlage auf dem Behandlungstisch, wo der Ultraschallkopf in der Mitte in einem abgedeckten Wasserbecken fest integriert ist. Während der gesamten Behandlung verbleibt der Kopf außerhalb der Röhre, so dass ein permanenter Sichtkontakt über eine Glasscheibe mit dem behandelnden Personal im Nebenraum besteht. Über ein Headset kann zusätzlich jederzeit durch beide Seiten Kommunikation aufgenommen werden. Leichte Beruhigungs- und Schmerzmittel erlauben einen weitestgehend schmerzfreien und möglichst entspannten Therapieverlauf bei allzeit erhaltenem Bewusstsein. Über einen Notfallknopf ist es jederzeit möglich, den aktuell laufenden Beschallungsvorgang zu unterbrechen, sollte es dennoch zur Wahrnehmung von kurzzeitigen Schmerzen kommen.

Abhängig von der Größe des zu behandelnden Myoms und dessen Gewebsbeschaffenheit dauert die Behandlung in der Regel etwa zwei bis drei Stunden. Nach Beendigung der Ablationen erfolgt eine abschließende Anfertigung von MRT-Aufnahmen unter der zusätzlichen Verwendung von Kontrastmittel, um direkt das Behandlungsergebnis zu beurteilen. Die Patientin kann die Klinik bereits nach einer Ruhezeit von zwei bis drei Stunden verlassen. In seltenen Fällen treten lagerungsbedingt Nebenwirkungen wie Schmerzen während oder nach der Behandlung auf. Auch ein kurzzeitig unangenehmes Hitzegefühl wird von einigen Patientinnen während oder in den Tagen nach der Anwendung berichtet.



Wer kann grundsätzlich nicht mit MRgFUS/HIFU behandelt werden?

  • Patientinnen mit Metallimplantaten (auch kleinere Metallclips) im Bauchbereich
  • Trägerinnen eines Herzschrittmachers
  • Patientinnen mit bekannter Kontrastmittelunverträglichkeit beim MRT. Dazu zählt NICHT das im CT oder bei anderen Untersuchungsmethoden mit Röntgenstrahlen verwendete jodhaltige Kontrastmittel!
  • Schwangere Patientinnen
  • Patientinnen, deren Gewicht die maximal zugelassene Belastung des Gerätes (250 kg) überschreitet

Wie und wo nehme ich Kontakt auf? Was muss ich beachten?

Bei Ihnen besteht der Verdacht auf eine Myomerkrankung, aber eine weiterführende Diagnostik hat noch nicht stattgefunden? Wenden Sie sich bitte telefonisch zur Terminvereinbarung an folgende Ambulanz:

Ambulanz Gynäkologie

Bei Ihnen besteht außerdem ein unerfüllter Kinderwunsch? Wenden Sie sich bitte telefonisch zur Terminvereinbarung an folgende Ambulanz:

Ambulanz Kinderwunschsprechstunde

Bei Ihnen ist bei bekannter Myomerkrankung bereits eine umfangreiche Diagnostik mittels Sonographie und MRT erfolgt? Wenden Sie sich bitte telefonisch zur Beurteilung und evtl. Terminvereinbarung an folgende Ambulanz:

Ambulanz der Interventionellen Radiologe

Füllen Sie bitte zusätzlich folgenden Anamnesebogen (PDF 301 kB) aus.

Wichtig: Wenn die MRT-Untersuchung extern erfolgen sollte, legen Sie bitte folgendes Schreiben (MR-Protokoll) (PDF 234 kB) in der Radiologie-Praxis vor.


 


 
Letzte Änderung: 08.08.2017, 11:11 Uhr
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